Grund #46: Bäume

Bäume sind nicht nur Deko. Bäume sind Infrastruktur – und zwar die günstigste, die wir überhaupt haben: kostenlose Klimaanlagen. Sie spenden nicht nur Schatten, sie kühlen durch Verdunstung die Umgebung, verbessern das Mikroklima und machen Plätze und Wege wieder benutzbar, wenn der Sommer zur Belastung wird. Der Haken ist nur: Bäume brauchen Zeit. Was wir heute pflanzen, hilft uns erst in 10–20 Jahren wirklich spürbar. Und Bäume, die wir heute fällen, fehlen spätestens im kommenden Sommer, wenn wir sie am dringendsten brauchen.
Schwimmbad-Skyrockets: Damals umstritten – heute unvorstellbar ohne
Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion, als ich noch selbst im Gemeinderat gesessen bin. Es ging darum, ob wir im Schwimmbad schnell wachsende Platanen – die sogenannten „Skyrockets“ – pflanzen sollen. Ein paar wenige haben dafür gekämpft. Unter anderem Herbert Stummer, der als Experte schon damals klar gesagt hat, wie wichtig Kühlung und Beschattung sind. Und es gab viele Stimmen dagegen: „Die Leute wollen eine Sonnenwiese.“, „Die Bäume machen Mist.“ und „Braucht man nicht im Schwimmbad.“.
Heute? Heute sind genau unter diesen mittlerweile großen Platanen die begehrtesten Plätze. Und niemand will sich mehr vorstellen, wie das Schwimmbad ohne sie wäre. Genau das ist der Punkt: Was heute in Diskussionen als unnötig bezeichnet wird, ist morgen selbstverständlich für das Wohlfühlen der Bevölkerung in Oberpullendorf.
Hauptplatz: heißes Zentrum oder grün überdachter Treffpunkt?
Der Hauptplatz ist für mich ein Symbol. Viele stellen dem „kahl-heißen Zentrum“ der oberen Hauptstraße schon seit längerem kein gutes Zeugnis aus. Wir hören das beim wöchentlichen Genussmarkt leider laufend. Genau deshalb gab es auch beim BLOP!-Treffpunkt „Klimafittes Oberpullendorf“ einen klaren Schwerpunkt: Bäume & Begrünung – ausdrücklich auch am Hauptplatz.
Aus einer Idee bei einem anderen Treffpunkt entstand ein Projekt, das von BLOP! und dem Verein für ein attraktives Oberpullendorf weiterentwickelt und der Stadtführung bereits vorgestellt wurde. Daraus könnte – mit etwas Glück – in den nächsten Jahren ein grün überdachter Hauptplatz werden. Denn genau so muss man denken: nicht „Was ist am einfachsten?“, sondern „Was wird in 15 Jahren wichtig sein?“.

Gefahr in Verzug – oder mehr Wohlfühl-Bestand?
Was mir Sorgen macht, ist der Umgang mit „Gefahr in Verzug“. Ein Baum wächst Jahrzehnte. Er ist in wenigen Momenten gefällt. „Gefahr in Verzug“ bedeutet juristisch: unmittelbare, konkrete, objektiv nachvollziehbare Gefahr, und nicht: Jemand fühlt sich gestört. Auch nicht: Es macht Arbeit. Ebenfalls nicht: Es liegt Laub.
Beispiele aus den letzten Jahren: Im Raika-Park neben dem Calisthenics-Bereich wurde eine riesige Schwarz-Pappel gefällt, weil sie angeblich ein Loch hatte. Ein hohler Weidenstamm ist ein typisches Merkmal dieses Baumes im Alter, der laut einem beauftragten Baumexperten erst kurz davor als akut unbedenklich galt. Sowas sollte man beobachten, jedenfalls nicht fälschlicherweise „Gefahr in Verzug“ und die Fällung ausrufen.
Die Fällung hingegen wurde dann von Personen beschlossen, die alle keine ausgewiesenen Baumexperten sind, ohne eben die damals noch für die Gemeinde tätigen Experten miteinzubeziehen. Es wurden lediglich 2 junge Bäume nachgepflanzt, die noch viele trockene, heiße Sommer überstehen müssen, um annähernd die Klimawirkung der gefällten Pappel zu erreichen.
In der Mittelgasse wurden zwei große Nussbäume gefällt, weil angeblich (und plötzlich) Busse nicht mehr durchkamen. Anstatt sich hier um eine Lösung zu bemühen, die Bäume zu erhalten, wurden sie gefällt. Nachpflanzung? Keine. In der Stadiongasse wurden viele Bäume gefällt, und ebenfalls wurde nicht adäquat nachgepflanzt. Dort wurden nicht nur die zur Fällung markierten Bäume entfernt.
Auch beim Umbau der Mittelschule wurde ein jahrzehntelang gewachsener, völlig gesunder Baum umgeschnitten. Darauf angesprochen bekam ich damals die Antwort: „Die Fenster haben eh Jalousien.“
Auch vor dem Kindergarten war das schon beim Neubau ein Thema, worauf ein riesiger Schattenspender einer gepflasterten Fläche weichen musste. Und genau das ist das Problem. Wenn wirklich gefällt werden muss, dann braucht es eine adäquate Nachsetzung – nachdem reiflich und mit Unterstützung von zertifizierten Experten beraten wird, ob und wie man diesen Baum bewahren kann.
Eine 30-jährige Eiche oder Platane ersetzt man nicht mit zwei halbmeterhohen Jungbäumen und sagt: „Passt schon.“ Das ist nicht gleichwertig. Und das ist nicht zukunftsfit. Hier hat man sich oft gegen das Wohlfühlen der kommenden Generationen entschieden, weil es nun mal einfacher war. Um die Klimawirkung (CO₂-Bindung und Umweltleistung) eines einzigen, rund 30-jährigen (oder älteren) Baumes zu erreichen, müssen etwa 400 junge Bäume gepflanzt werden. Der Schutz bestehender, alter Bäume ist aus Klimasicht weitaus effektiver als deren Fällung und Ersatz durch Neupflanzungen.
„Die beste Baumpflege ist jene, die man nicht sieht.“ Wenn man jedoch selbst ernannte Baumpfleger ohne entsprechenden Befähigungsnachweis oder ernsthaft angewandte Schulungskenntnis ans Werk lässt, um Zeit und Geld zu sparen, ist der Schaden oft erheblich und irreparabel. Leider sieht man auch in Oberpullendorf schon zu oft gekappte und verstümmelte Bäume, die definitiv nicht fachgerecht „gepflegt“ wurden. Fast noch schlimmer ist, dass manche Menschen dadurch den Eindruck bekommen, das könnte so gehören.

Wirkung von Bäumen auf Straßen und Menschen
Bäume haben für Autofahrer eine Reihe oft unterschätzter, aber sehr positiver Effekte – sowohl direkt auf die Fahrsicherheit als auch auf das allgemeine Fahrerlebnis. Ein wesentlicher Vorteil ist die optische Strukturierung von Straßen. Baumalleen oder einzelne Bäume entlang der Fahrbahn helfen dabei, den Straßenverlauf besser zu erkennen. Besonders bei langen, monotonen Strecken tragen sie dazu bei, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und die Orientierung zu erleichtern. Dadurch sinkt das Risiko von Unachtsamkeit.
Darüber hinaus wirken Bäume als natürliche Geschwindigkeitsregulatoren. Studien zeigen, dass Autofahrer auf von Bäumen gesäumten Straßen tendenziell langsamer und vorsichtiger fahren. Die visuelle Enge und die klar definierten Straßenränder vermitteln ein Gefühl von Begrenzung – und wenn ich an die Tourismusorte im Süden denke, sogar Urlaubsgefühl. Diese Bäume führen auch zu einer defensiveren Fahrweise und erleichtern somit Autofahrern das Einhalten von Tempo 30 in Oberpullendorf.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Schutz vor Witterungseinflüssen. Bäume können als Windschutz dienen und bieten im Sommer Schatten, wodurch sich die Fahrbahn weniger aufheizt und die Blendwirkung durch intensive Sonneneinstrahlung reduziert wird. Und Hand aufs Herz: Jeder will im Sommer einen Schattenparkplatz, oder?
Auch die Luftqualität entlang von Straßen profitiert von Bäumen. Sie filtern Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft, was besonders in stark befahrenen Gebieten relevant ist. Wenn ich an die B50-Umfahrung, also Eisenstädter Straße und Wiener Straße, denke, dann ist klar, wo ich im Sommer lieber zu Fuß, mit dem Rad und auch im Auto lieber unterwegs bin – ja, unter den vielen Platanen auf der Wiener Straße.
Nicht zuletzt haben Bäume einen psychologischen Effekt. Begrünte Straßen wirken beruhigend, reduzieren Stress und steigern das allgemeine Wohlbefinden während der Fahrt. Eine angenehme Umgebung kann dazu beitragen, aggressives Fahrverhalten zu verringern und die Konzentration zu verbessern.
Zusammengefasst leisten Bäume entlang von Straßen einen wichtigen Beitrag zu Sicherheit, Komfort und Umweltqualität – und sind damit auch für Autofahrer ein klarer Gewinn.
Hitze kommt – die Frage ist nur: Wie bereiten wir uns vor?
Wir wissen alle, dass die Sommer nicht kühler werden. Wir spüren es jetzt schon. Asphalt heizt sich auf, Plätze werden leer, Straßen flimmern. Und in 10 oder 20 Jahren werden wir uns noch öfter überlegen, ob wir an heißen Tagen überhaupt vor die Tür gehen.
Die Hitze kommt so oder so. Die entscheidende Frage ist: Reagieren wir erst, wenn es unerträglich wird – oder handeln wir jetzt? Vorbereiten heißt nicht jammern. Vorbereiten heißt pflanzen. Vorbereiten heißt, entsiegeln. Vorbereiten heißt beschatten. Vorbereiten heißt heute, Bäume setzen, damit wir morgen noch draußen leben können.
Wir können Oberpullendorf Stück für Stück klimafit machen – mit Plan, mit Hausverstand und gemeinsam mit allen Fraktionen, Expert:innen und Bürger:innen. Nicht ideologisch, sondern pragmatisch. Ich bin kein Grüner nur weil ich für die nächsten Generationen Lebensqualität sichern will, die neben den Einwohnern von Oberpullendorf auch für Gäste, Kunden und Arbeitsplätze wichtig sein wird.
Denn eines ist klar: Ein Baum, der heute gepflanzt wird, bedeutet in 15 Jahren Lebensqualität. Ein Baum, der heute gefällt wird, fehlt genau dann, wenn wir ihn am meisten brauchen. Oder anders gesagt, durch eine indische Weisheit:
„Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.“
Die Hitze kommt. Aber wir können entscheiden, ob wir vorbereitet sind. 🌳 Also packen wir es an: Baumpatenschaften, Standortplanung mit Baumkataster, Erhalten vor Fällen, adäquate Nachpflanzungen, Baumscheiben in Wohnstraßen, Beschattung von Flächen, begrünte Treffpunkte … Konkretes Ziel könnte sein: 1.000 Bäume bis 2030. Wer ist dabei? Reden wir über gemeinsames Wachstum.