Grund #47: Wirtschaftsdialog

Zwischen Totjammern und Schönreden ist viel Platz. Das gilt nicht nur für den Ortskern, sondern für die gesamte Wirtschaft. Seit über 25 Jahren bin ich Unternehmer in Oberpullendorf. Ich habe viel gesehen und erlebt. Dabei hatte ich immer das Gefühl, dass etwas bremst und etwas fehlt. Heute weiß ich, was unsere Wirtschaft nicht nur in Oberpullendorf bremst, sondern auch, was uns in der Hauptstadt des Sonnenlandes fehlt. Aber vorher ein kurzer Rückblick.
Vom Stammtisch in den Gemeinderat und weiter
Nach einigen Jahren als Unternehmer haben Gerald Kneisz und ich einen Unternehmerstammtisch ins Leben gerufen und einige Jahre recht erfolgreich veranstaltet. Dort wurde über Themen diskutiert, die die Wirtschaftstreibenden in Oberpullendorf beschäftigten. Bis zu 60 Wirtschaftstreibende haben wir damals im Bajazzo, beim Krail oder beim Domschitz versammelt. Unser Unternehmerstammtisch kam bei den Unternehmer:innen recht gut an, weshalb wir auch von ÖVP-Chef Rudi Geiszler in den Gemeinderat geholt wurden. Einige Jahre, Wahlen und Erkenntnisse später hatte man uns Idealismus und Zuversicht ausgetrieben – oder besser gesagt: Ich hatte von dieser Art der Politik genug. Die Wirtschaft, das waren wir als Schwarze. Das war schon immer so, nicht nur in Oberpullendorf.
Ab 2005 wurde ich auch als Funktionär in der Wirtschaftskammer tätig. Zuerst holte mich der damalige JW-Bezirksobmann Markus Landauer in die Junge Wirtschaft, dem ich dann auch als Bezirksvorsitzender nachfolgte. Ein paar Jahre und unzählige ehrenamtliche Stunden für die Wirtschaftskammer später stand ich als Landesvorsitzender im KUZ Eisenstadt auf der Bühne vor 1.000 Menschen und durfte die BUTA (Bundestagung der Jungen Wirtschaft) verantworten. Ich erlebte internationale Kongresse, bundesweite Sitzungen und die Vertretung von Brancheninteressen in den Fachgruppen und der WK-Struktur, wo ich noch heute als Ausschussmitglied tätig bin.
Oberpullendorf stand währenddessen nicht still. Es gab Oktoberfeste des Wirtschaftsbundes, Stadtmarketing-Events wie den Roten Teppich und das Gauklerfest, und vor allem Herausforderungen für die Wirtschaft auf der ganzen Welt – Digitalisierung, Energiekrise, Kriege … Wenn ich mir alte Protokolle vom Unternehmerstammtisch oder meine Notizen aus meiner Zeit als Wirtschaftsvetreter beim Forum Alpbach anschaue, dann bleibt für mich eines gleich: Herausforderungen werden im Großen und im Kleinen durchs Wegschauen nicht weniger.
Wirtschaftsinteressen und Wahlen
Der Verein BLOP! wurde auch bekannt durch unsere Petition „gegen“ den Businesspark. Doch mir ging es damals schon um bessere und offenere Kommunikation, Einbinden der Wirtschaftstreibenden und der Bevölkerung, sowie um Klarheit für Entscheidungen mit einer zukunftsfitten Strategie. Damals organisierte ich einen Workshop zur Positionierung unserer Stadt, ließ den Unternehmerstammtisch wieder aufleben und holte Experten für die Diskussion und den Know-how-Transfer über Ortskernbelebung nach Oberpullendorf. Immer waren auch Vertreter:innen aus Gemeinderat und Wirtschaftskammer eingeladen. Doch leider kann ich nach 5 Jahren mit Gewissheit sagen, dass sich für die wirtschaftliche Entwicklung in Oberpullendorf niemand zuständig oder besser verantwortlich fühlt.
Es liegt immer an den Entscheidungen der handelnden Personen: Rudi Geiszler hat als ÖVP-Bürgermeister mit Klaudia Friedl, damals SPÖ-Bürgermeisterin von Steinberg-Dörfl, den Businesspark initiiert. Leider hatte man damals den Ortskern nicht mitgedacht. Rudi sagte mir schon vor vielen Jahren, dass für die Wirtschaft das Stadtmarketing zuständig ist. Nun macht Stadtmarketingobfrau Mary Bauer seit Jahrzehnten gute Events für Oberpullendorf, doch sie sieht sich zurecht nicht als Verantwortliche für die Wirtschaft. Leider hat man meine Versuche, Stadtführung und auch Stadtmarketing beim Thema Wirtschaft zu unterstützen, als Angriff statt Unterstützung gesehen.
Der Ortskern verändert sich, auch ohne Konzept
Im August 2024 wurde mit dem Verkauf des ehemaligen Gasthofs Krail durch die OSG wieder ein Meilenstein erreicht, wo Hannes Heisz als Bürgermeister im Burgenland Heute-Interview auf 2 Dinge verwies, die ich bis heute nicht glauben kann: Einerseits sollten sich im Businesspark demnach Forschung, Industrie und Gewerbe ansiedeln, wobei seit Projektstart klar war, dass es eine Handelszeile neben McDonald's, BillaPlus und einem Möbelix geben wird. Zusätzlich wurde von einem eingesetzten Leerstands- & Ortskern-Komitee (von dem nie etwas zu hören war) und vom Innenstadtbonus (Förderungen für neue Betriebe) gesprochen. Dieses Komitee würde heute wohl als Task-Force (wie in Mattersburg) bezeichnet werden, bei der nur jene mitreden sollen, die schon seit Jahrzehnten dafür zuständig und verantwortlich sind. Schon viele Jahre davor wurde vom Innenstadtbonus gesprochen. Doch der einzige Grund, warum man sich noch nicht öffentlich dazu durchringen konnte, ist anscheinend, dass man dann nicht mehr nach eigenem Ermessen oder Farbbekenntnis Gelder verteilen kann.
Und wenn nun heute, ein Jahr vor der nächsten Gemeinderatswahl, ein Innenstadtbonus nach dem Beispiel von Eisenstadt (wie schon vor einigen Jahren) wieder „angegangen“ werden soll, dann vergisst die Stadtführung, dass diesem in der Landeshauptstadt ein ausführlicher Bürgerbeteiligungsprozess, eine Strategientwicklung und eine Aufwertung der Fußgängerzone durch Begrünung und Beschattung vorausging.
Leider gibt es meines Wissens nach wie vor kein Stadtentwicklungskonzept. Aus Erfahrung durch unsere BLOP!-Exkursionen in andere Städte wie Tulln oder Trofaich sowie durch meine Besuche verschiedener Konferenzen zum Thema Stadtentwicklung kann ich nur immer wieder bekräftigen: Stadtentwicklung funktioniert nicht mit ÖVP oder SPÖ besser, so wie Wirtschaft nicht immer schwarz (oder weiß) ist. Es braucht mutige Visionen ohne parteipolitische Scheuklappen mit einer Stadtentwicklungsstrategie, die über den nächsten Wahltag hinaus wirken kann.
Es scheint, dass die Wirtschaft in Oberpullendorf durch eine parteipolitische Angst gebremst wird, die darauf abzielt, keinen Fehler zu machen und nirgends anzustreifen. Doch neben dem bekannten Spruch „Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben“ schwingt auch hier als angezogene Bremse der Mangel an Kommunikation und auch Wissen mit. Ob beim Unternehmerstammtisch, bei den BLOP!-Treffpunkten für die Wirtschaft oder auch bei jeder Konfrontation mit Expertise: Ich merkte, wie wir ALLE auf Kommunikation reagieren, wie Energie für Veränderungswillen entstehen kann – und leider auch, wie aufkeimender Mut aktuell ausgebremst wird.

Vernetzung, Belebung und Zukunft
Was fehlt uns nun für die Wirtschaft in Oberpullendorf? Um die Wirtschaft in Oberpullendorf voranzubringen, müssen wir zusammen eine Vision entwickeln. Diese Vision sollte zeigen, wie wir die Stadt aus Sicht von Kunden, Unternehmen, Angestellten, Bewohnern und Besuchern in der Zukunft gestalten wollen. Es ist schwierig in der heutigen Zeit. Als IT-/Unternehmensberater beobachte ich täglich, wie Technologie, z.B. KI-Agenten und Social Media, die Wirtschaft verändert. Da müssen wir heute vieles für die Zukunft mitdenken. Es ist aber auch wichtig, unsere Stärken als Hauptstadt des Sonnenlandes zu verbessern. Gleichzeitig müssen wir Neuerungen zulassen, um Oberpullendorf als zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort zu stärken.
Das kann nur gemeinsam im Dialog entstehen. Es braucht dafür mehr als ein paar Leute von „der Wirtschaft“. Es braucht dafür auch ALLE jetzigen und künftigen Fraktionen im Gemeinderat, das Stadtmarketing, die Wirtschaftskammer und ALLE, die in einem Wirtschaftsdialog etwas beitragen können und wollen. Genau dieser Wirtschaftsdialog fehlt in Oberpullendorf. Dieser Wirtschaftsdialog muss mutig, transparent und kommunikativ konzipiert werden. Und dafür will ich als Listenführer und Bürgermeisterkandidat Verantwortung übernehmen.
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